Pflegerin-mit-aeltere-person

Pflegekräfte aus Osteuropa – warum ist die Pflege aus Polen so beliebt?

 

Wenn die Eltern oder die Großeltern plötzlich Hilfe im Alltag benötigen oder sogar pflegebedürftig werden, stellt sich für die Familienangehörigen die Frage, wie diese neue Herausforderung bewältigt werden soll. Zumal die Betroffenen ihr Haus oder ihre Wohnung meist nicht aufgeben und weiterhin so selbstbestimmt wie möglich leben wollen. Immer mehr Familien entscheiden sich in diesen Fällen für eine osteuropäische Pflegekraft, die zur Familie zieht und so eine Rundum-Versorgung garantiert.

Rechtliche Rahmenbedingungen für die Beschäftigung osteuropäischer Pflegekräfte

Die Ost-Erweiterung, die Polen zum Mitgliedstaat der Europäischen Union machte, wurde bereits 2004 beschlossen. Das Arbeitnehmerfreizügigkeitsgesetz, das den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus den neuen Mitgliedstaaten, darunter neben Polen auch Tschechien und Slowenien, die Aufnahme sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland erlaubte, trat dagegen erst am 1. Mai 2011 in Kraft. Seither dürfen Pflegekräfte aus vielen osteuropäischen Staaten grundsätzlich in Deutschland tätig sein, so auch die Pflege aus Polen.

Osteuropäischen Fachkräften in der häuslichen Pflege – worauf müssen Sie achten?

Wenn Sie eine Agentur für die 24 Stunden Pflege engagieren, müssen Sie einige Dinge beachten. So zum Beispiel den Unterschied zwischen Grundpflege und Behandlungspflege. Bei der Grundpflege handelt es sich um alltägliche Verrichtungen, die ältere oder kranke Menschen oft nicht mehr alleine erledigen können. Häufig haben Senioren täglichen Pflegebedarf, weil sie sich zum Beispiel nicht mehr alleine waschen oder anziehen können und auch beim Gang zur Toilette Hilfe brauchen. Oftmals ist auch nur Unterstützung beim Einkaufen, Kochen und der Verrichtung anderer Hausarbeiten notwendig. Darüber hinaus wünschen sich viele ältere Menschen auch Unterhaltung und Begleitung bei Unternehmungen, um der sozialen Isolation im Alter zu entgehen.
Diese grundpflegerischen Leistungen können von polnischen Pflegehilfskräften und Haushaltshilfen verrichtet werden. Die Übernahme der Pflegekosten durch die Pflegekasse ist dann in der Regel nicht möglich.
Anders sieht es dagegen bei der sogenannten Behandlungspflege nach Sozialgesetzbuch Fünf (SGB V) aus. Diese umfasst ausschließlich medizinische Leistungen, die auf Basis einer ärztlichen Verordnung durchgeführt werden. Dazu zählen zum Beispiel das Messen des Blutdrucks, das Setzen von Spritzen oder das Anlegen und Wechseln von Kompressionsverbänden. Diese Tätigkeiten müssen von examinierten Pflegekräften bzw. Pflegediensten durchgeführt werden, andernfalls kann es zu Schwierigkeiten bei der Kostenerstattung kommen.

Insbesondere polnische Pflegekräfte sind in deutschen Privathaushalten sehr beliebt. Dafür gibt es ein ganze Reihe von Gründen, die sowohl kultureller und sozialer als auch praktischer Natur sind.

Warum sind polnische Pflegekräfte in Deutschland so beliebt?

Polnische Pflegekräfte arbeiten in deutschen Haushalten meist für deutlich weniger Lohn, als eine inländische Fachkraft, da das Lohngefälle zwischen Deutschland und den meisten osteuropäischen Staaten noch beträchtlich ist. Dass das relativ niedrige Gehalt der ausländischen Fachkräfte die häusliche Pflege für viele Familien überhaupt erst erschwinglich macht und so vielen Senioren ein würdevolles Altern in den eigenen vier Wänden ermöglicht, ist aber nur ein wichtiger Faktor. Pflegekräfte aus Indien oder Pakistan konnten sich, trotz guter Ausbildung und Arbeitserlaubnis, auf dem deutschen Markt nicht etablieren. Dass sich deutsche Seniorinnen und Senioren bei ihren Pflegerinnen und Pflegern aus Polen so gut aufgehoben fühlen, liegt vor allem an der großen kulturellen Nähe zwischen den beiden Nationen. Das immer noch stark christlich-katholisch geprägte Polen fördert konservative Wertvorstellungen, wie sie auch von vielen deutschen Senioren gepflegt werden. Darüber hinaus gibt es große Ähnlichkeiten bei der Schulausbildung, der Erziehung, den Umgangsformen und den alltäglichen Gepflogenheiten. Polnische Pflegekräfte müssen keine kulturellen Gräben überwinden, um sich in eine deutsche Familie einzufügen. Darüber hinaus hat die Familie in Polen noch einen sehr hohen Stellenwert. Polnische Pflegekräfte, die sich in eine deutsche Gastfamilie integriert haben, sind deshalb sehr loyal und betreuen ihre Patienten regelmäßig bis zum Tod. Auch diese Kontinuität und Verlässlichkeit sind für viele deutsche Senioren von unschätzbarem Wert. Darüber hinaus sind polnische Arbeitskräfte sehr pünktlich, zuverlässig und sehr fleißig. Weitere Eigenschaften, die sie mit vielen Deutschen teilen und die ihre Arbeitgeber hier in Deutschland sehr schätzen.

Neben der sozialen und kulturellen Nähe gibt es aber auch eine Reihe praktischer Gründe, warum sich so viele polnische Pflegekräfte in deutschen Privathaushalten finden. Als direkter Nachbarstaat liegt Polen insbesondere in Nord- und Ostdeutschland quasi vor der Haustür. Die polnischen Arbeitskräfte haben keine langen Anreisewege und können an ihren freien Tagen die eigene Familie besuchen. Das macht Deutschland, neben den aus polnischer Sicht insgesamt sehr guten Arbeitsbedingungen, für die ausländischen Pflegekräfte sehr attraktiv. Sie arbeiten deshalb gerne in Deutschland und das merkt man ihnen auch an. Die EU-Zugehörigkeit hat zudem die bürokratischen Hürden deutlich gesenkt, auch wenn, wie eingangs erläutert, immer noch einige Besonderheiten zu beachten gibt. Damit die Zusammenarbeit noch enger wird und besser funktioniert, haben sich mittlerweile bereits eine Reihe von Arbeitskreisen gebildet, die sowohl auf privater als auch auf offizieller staatlicher Ebenen agieren. Die Regierung des Bundeslandes Brandenburg räumt zum Beispiel ganz offen ein, dass sie gedenkt, den sich abzeichnenden Mangel an Pflegekräften mit Hilfe polnischer Fachkräfte zu decken. Mittlerweile gibt auch eine große Zahl von Förderprogrammen, die polnische Pflegekräfte auf eine Tätigkeit in Deutschland vorbereiten sollen. Da viele dieser Arbeitnehmer zumindest einen Teil ihres Gehaltes in Polen ausgeben und so die dortige Wirtschaft ankurbeln, ist auch die polnische Regierung an einer engen Zusammenarbeit im Pflegesektor sehr interessiert. Deshalb dürfen die deutschen Haushalte nicht nur darauf hoffen, dass die Beschäftigung polnischer Pflegekräfte bald noch einfacher wird. Auch die Qualität der Ausbildung wird in Polen immer besser.

Polnische Pflegefachkräfte werden immer besser ausgebildet und haben bald die Nase vorn

In Polen wurde die Ausbildung zur Krankenpflegefachkraft zwischenzeitlich akademisiert und erfolgt in Form eines dreijährigen Studiums an einer Fachhochschule oder sogar einer Universität, das die Studierenden mit einem Bachelor-Grad abschließen. Die Absolventen sind danach berechtigt, sich als Krankenschwester oder Krankenpfleger registrieren zu lassen. In Polen wird darüber hinaus viel Wert auf eine Spezialisierung nach der Erstausbildung gelegt. Für Krankenpflegekräfte gibt es fast zwei Dutzend Fachrichtungen, zum Beispiel ist eine Spezialisierung als geriatrische Pflegefachkraft oder als Fachkraft für Langzeitpflege möglich. Die fachspezifische Fortbildung erfolgt in Anschluss an den Bachelor und ist gesetzlich geregelt. Sie umfasst 210 theoretische Unterrichtsstunden und 490 Stunden praktische Ausbildung in einer Klinik. Darüber hinaus gibt es für Pflegekräfte ein umfassendes Fortbildungsangebot, dass das einmal erworbenen Fachwissen auf den neuesten Stand hält. Diese Fortbildung ist obligatorisch. Das ist in Deutschland bisher nur bei Ärztinnen und Ärzten so und bei Pflegekräften dagegen keine Selbstverständlichkeit.

Auch die Ausbildung zur Altenpflegerin oder zum Altenpfleger ist sehr anspruchsvoll gestaltet und setzt den zweijährigen Besuch einer Berufsschule sowie eine Diplom-Prüfung voraus, bei der es sich aber um keine akademische Prüfung handelt. Wer nicht mindestens über die mittlere Reife verfügt, wird erst gar nicht zur Ausbildung zugelassen. In Deutschland genügt dagegen auch ein Hauptschulabschluss. Das im Rahmen der Ausbildung zur Altenpflegerin vermittelte Fachwissen ist in Polen sehr umfassend und deckt nicht nur Themen wie Körperhygiene, medikamentöse Versorgung und Krankengymnastik ab, sondern konzentriert sich auch auf die medizinische Versorgung der Patienten, wozu zum Beispiel das professionelle setzen von Spritzen oder das Anlegen und Wechseln von Wundverbänden zählen.
Neben der Fachausbildung gibt es auch zahlreiche Angebote, die z.t. auch nicht examinierte Pflegekräfte auf eine Tätigkeit im Ausland vorbereiten und die dazu notwendigen Sprachkenntnisse vermitteln.  Für die Pflegedienstleister aus dem Nachbarland ist darüber hinaus die 24-Stunden-Betreuung längst eine Selbstverständlichkeit. Kein Wunder also, dass sich die Deutschen bei ihren polnischen Pflegekräften in guten Händen fühlen.